DER OFFENE

BRIEF

Liebe Hamburgerinnen,

 

liebe Hamburger,

 

 

 

am 6. Dezember können wir darüber abstimmen, ob wir mehr bezahlbaren Wohnraum in Winterhude und somit auch in Hamburg möchten. Zuerst ist es mir wichtig zu verdeutlichen, dass ich fassungslos über die Tatsache bin, dass es bei der Frage nach bezahlbarem Wohnraum überhaupt zu einem Bürgerentscheid kommen konnte.

 

Wieso ist es keine Selbstverständlichkeit, dass unsere Stadt für alle Hamburger Wohnraum bietet – egal in welchem Stadtteil? Wieso maßt sich eine kleine Gruppe Menschen an, die teilweise noch nicht einmal in der Nachbarschaft wohnen, darüber entscheiden zu dürfen, ob in der Nachbarschaft bezahlbarer Wohnraum entsteht? Wieso glaubt diese Gruppe, dass Wohnen in der Innenstadt ein Privileg sein muss?

 

Für mich ist Hamburg eine Stadt, die für Internationalität, Toleranz und Offenheit steht. Ich bin stolz Hamburgerin zu sein und identifiziere mich sehr mit all den Eigenschaften unserer Stadt. Hamburg war und soll auch in Zukunft für alle ein lebenswerter Ort sein: Für Junge, für Alte, für Reiche, für Bedürftige, für waschechte Hamburger und für Zugezogene. Das macht uns in dieser Stadt aus.

 

Das Argument, in Winterhude sei es zu voll, ist schlicht falsch: Winterhude ist weniger besiedelt als Barmbek, Ottensen oder Uhlenhorst und erst recht weniger dicht besiedelt als Wien, Paris oder London. Wenn wir weiterhin eine Weltstadt bleiben wollen, werden wir auch in Zukunft weiterwachsen. Und da der Hamburger Raum durch die Stadtgrenzen beschränkt ist, gilt es das Bestmögliche aus dem vorhandenen Platz zu machen. Hierbei geht es nicht um Vernichtung von Grünflächen, denn die bleiben weiterhin ausreichend bestehen.

 

Ich möchte an Sie, liebe Hamburgerinnen und Hamburger, appellieren, für das Bauvorhaben Dorotheenkai zu stimmen, um weiterhin Wohnen für alle in unserer Stadt zu ermöglichen. Dieses Bauvorhaben leistet einen Beitrag dazu, dass die Mietpreise nicht weiter ins Unermessliche steigen. Es gibt viel zu wenige private Unternehmen, die bereit sind für einen Mietpreis, der deutlich unter dem Mietenspiegel liegt, Wohnraum zu stellen. Eine Absage an dieses Bauvorhaben wird eine Richtung in der Bau- und Mietpreispolitik vorgeben, über dessen Konsequenzen sich viele nicht im Klaren sind.

 

Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, unsere Stadt und unseren Stadtteil so zu bewahren, wie wir über Jahrzehnte miteinander gewachsen sind: vielfältig und weltoffen. Und lassen Sie uns hoffen, dass Wohnen als Grundbedürfnis eines jeden Menschen nie zu einem Privileg wird.

 

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Claudia Kröger

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